Methodische Reflexion des Real-Time Delphi

Bei der genaueren Analyse der Daten aus der Real-Time Delphi-Befragung fallen verschiedene Besonderheiten auf, die zur Einordnung der Ergebnisse wichtig sind. So stellte sich heraus, dass das Antwortverhalten einiger Befragter Muster aufweist, die daraufhin deuten, dass die Fragen nicht wirklich beantwortet wurden, sondern „durchgeklickt“ wurde. Dies ist zum Beispiel daran erkennbar, dass einige dieser Befragten ausschließlich die Option „keine Angabe“ genutzt haben oder den Fragebogen in so kurzer Zeit bearbeitet haben, dass sie die Fragen und Antwortoptionen vermutlich nicht vollständig gelesen, sondern sich nur durchgeklickt haben. Diese Datensätze wurden für die Auswertung gelöscht. Die Zahl der beantworteten Fragebögen beträgt daher nun 38.
Darüber hinaus fällt speziell bei den Rankingfragen auf, dass die Befragten eine bestimmte Antwort häufig auf Platz 1 gesetzt haben, diese aber dennoch nicht den ersten Platz im Ranking bekommen hat. Dies erklärt sich zumindest teilweise dadurch, dass Antwortoptionen, die von vornherein oben standen, häufig nicht verschoben wurden. Dies mag daran liegen, dass diese Optionen auch tatsächlich von vielen als wichtig eingestuft wurden. Es ist jedoch auch davon auszugehen, dass es eine nichtintendierte Verzerrung zugunsten der Antwortoptionen gab, die von vornherein oben standen. Um solche Verzerrungen aufzudecken und eine verlässliche Aussagekraft der Ergebnisse sicherzustellen, wurden insbesondere die Ranking-Antworten mit drei unterschiedlichen Methoden ausgewertet. Dabei wurde zunächst deskriptiv-statistisch geprüft, welches Rankingergebnis sich ergibt, wenn alle Antworten und Antwortoptionen gewichtet gewertet werden. Dann wurde ausgewertet, welche Antwortoptionen tatsächlich am häufigsten auf Platz 1 und 2 gesetzt wurden. Zudem wurde anhand einer qualitativen Datenanalyse überprüft, welche Muster im Antwortverhalten der Befragten erkennbar sind und welche Rückschlüsse dies auf die Rankingergebnisse zulässt. Die Ergebnisse dieser drei Auswertungsmethoden wurden dann miteinander verglichen, um Gemeinsamkeiten und Abweichungen in den Ergebnissen herauszuarbeiten.
Ebenfalls auffällig ist, dass keiner der Befragten, die sich erneut einloggten, seine Antworten verändert hat. Die Kommentarfunktion wurde überwiegend dazu genutzt, eigene Antworten zu begründen oder auf weitere Themen hinzuweisen sowie die Kommentare anderer zu kommentieren. Nur einmal wurde in den Kommentaren konkret auf die zu diesem Zeitpunkt sichtbaren Befragungsergebnisse eingegangen. Das Real-Time Delphi hat also dazu beigetragen, Diskussionen zu ermöglichen und Antworten zu begründen, jedoch nicht dazu geführt, dass Befragte – im Licht der Antworten anderer – ihre Meinung noch einmal änderten.

Methodische Reflexion des Real-Time Delphi

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